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Gustav Klimts Landschaften vom Attersee: Wie sie unseren Blick auf Natur in der Kunst verändern

The painter of gold portraits spent every summer obsessing over forests, lakes, and meadows. Here's why that matters.

Miles Tanaka
MILES TANAKA
May 15, 2026
Klimt at the Lake: The Landscapes That Changed How We See Nature Art

Die andere Seite von Klimt: von goldenen Porträts zu grünen Wäldern

Die meisten Menschen kennen den einen Klimt. Blattgold, umarmte Paare, jenes eine Kunstplakat, das seit Mitte der 1980er in gefühlt jeder Studentenwohnung hing. Doch mehrere Monate im Jahr, zwischen 1900 und seinem Tod 1918, legte Gustav Klimt das Gold beiseite – und malte Bäume.

Er schuf rund 50 Landschaften, etwa ein Viertel seines Gesamtwerks, und die sehen fast nichts so aus wie das, was ihn berühmt machte. Keine Allegorien. Keine Symbole. Keine Gräfinnen im Auftrag, die aus schimmernden Mosaikflächen blicken. Stattdessen Obstgärten, Birkenstämme, ein Seerosenteich, die Hausecke eines Bauernhofs, gesehen durch dichtes Sommerlaub.

Das sind die Klimt-Bilder, die Sie kennen sollten, wenn Ihnen die offensichtlichen längst genügen.

Ein sonnenhelles Wohnzimmer mit einem quadratischen Klimt-Landschaftsprint (grüne Waldszene) über einem Leinensofa, gestylt mit Terrakotta-Kissen und einer rankenden Pflanze

Der Attersee und die österreichische Landschaft, die ihn inspirierte

Jeden Sommer verließ Klimt Wien in Richtung Salzkammergut, die Seelandschaft östlich von Salzburg – und ganz konkret an den Attersee. Er fuhr mit Emilie Flöge, seiner lebenslangen Gefährtin und der Designerin eines gefeierten Wiener Modehauses. Sie ruderten. Sie schwammen. Er trug einen langen blauen Kittel und Pantoffeln und sonst fast nichts, weshalb ihn die Einheimischen „Waldschrat“ nannten.

Das war kein Urlaub im heutigen Sinn. Es war Sommerfrische – eine österreichische Tradition, bei der das städtische Bürgertum für Wochen oder Monate aufs Land zog, um Stadthitze und Stadtpflichten zu entkommen. Für Klimt bedeutete Sommerfrische etwas sehr Konkretes: keine Aufträge, keine Mäzene, keine Gesellschaftsporträts. Nur malen, was er wollte, wie er wollte, den ganzen Tag.

Diese Freiheit sieht man. Seine Landschafts-Kunstdrucke wirken locker, wo seine Porträts choreografiert erscheinen. Das ist Klimt, der für sich selbst malt – einer der Gründe, warum diese Bilder so gut gealtert sind. Sie haben kein mitgedachtes Publikum.

Gerade die Attersee-Bilder besitzen eine Qualität reiner Aufmerksamkeit. Eine Bauernhauswand. Eine Reihe Sonnenblumen. Das Schimmern des Wassers vom Boot aus gesehen. Sie sind das visuelle Äquivalent eines tiefen Atemzugs.

Wie Klimt ein Fernrohr nutzte, um seine Landschaften zu komponieren

Ein Detail lässt Klimts Landschaften sofort „einrasten“, sobald man es kennt: Er komponierte sie durch ein Fernrohr.

Oder durch einen Sucher aus Karton, am ausgestreckten Arm gehalten – als würde er fotografieren. Er fixierte einen einzigen Waldausschnitt oder die Ecke eines Feldes und malte dann nur, was innerhalb dieses engen Rechtecks sichtbar war; alles darüber hinaus schnitt er radikal ab.

Deshalb sehen seine Landschaften so aus, wie sie aussehen. Die Horizontlinie fehlt oft ganz. Der Himmel taucht kaum auf. Man blickt auf eine Wand aus Bäumen, die Oberfläche eines Teichs oder einen Teppich aus Wiesenblumen – ohne klaren Rand des Geschehens. Das flacht die Tiefe ab. Der Blick hat keinen Fluchtpunkt, also verlangsamt er sich und liest die Oberfläche.

Beeinflusst war die Technik von der piktorialistischen Fotografie, damals eine Mode in Wien, und von japanischen Holzschnitten, die Klimt sammelte. Beide Traditionen bevorzugen beschnittene, abgeflachte Kompositionen gegenüber der Tiefenperspektive, der westliche Maler seit der Renaissance nachjagten. In diesem Sinn sind Klimts Landschaften leise avantgardistisch. Sie wirken dekorativ und hübsch, doch darunter passiert formal Radikales.

Das Quadrat – und seine Wirkung

Fast alle Klimt-Landschaften sind quadratisch. Nicht annähernd – wirklich quadratisch: 110 × 110 Zentimeter, plus/minus.

Quadratische Gemälde waren in der europäischen Kunst vor dem 20. Jahrhundert selten. Das Format hat keine eingebaute Richtung, keine vertikale Porträt-Ausrichtung, keinen horizontalen Landschaftsschwung. Das Auge weiß nicht, wo es beginnen soll; es spiralt zum Zentrum und driftet dann in Schleifen über die Fläche. Das Ergebnis ist kontemplativ. Man schaut ein Quadrat länger an als ein Rechteck. Es verweigert die schnelle Auflösung.

Das ist auch der Grund, warum Klimt-Landschaften in modernen Interiors so brillant funktionieren. Quadratische Formate erleben gerade ein echtes Comeback in Rahmen und Bilderwänden. Sie sitzen elegant über Sideboards, Konsolen, Betten und Badewannen – dort, wo ein hohes Porträtformat falsch und ein breites Querformat gestreckt wirken würde. Ein einzelner 70 × 70 cm großer Print kann eine Wand verankern, ohne sie zu dominieren.

Wer eine Bilderwand aufbaut, lässt das Ganze sofort überlegter aussehen, sobald ein Quadrat die Rechtecke mischt. Es bricht das Raster – auf die gute Art.

Ein ruhiges Schlafzimmer mit einem quadratischen Klimt-Birkenwald-Print über einem Holzbett mit cremefarbener Bettwäsche, weichem Morgenlicht und einer kleinen Keramikvase auf dem Nachttisch

Pointillismus, Mosaike und die Textur von Klimts Naturbildern

Aus der Nähe sehen Klimts Landschaften gar nicht wie Landschaften aus. Eher wie Perlenarbeit.

Er malte in Tausenden winziger Punkte, Tupfer und kurzer Striche und baute Oberflächen auf – fast so, wie er die goldenen Mosaikgründe seiner Porträts schichtete. Ein einzelner Baum kann aus Hunderten getrennten Berührungen von Grün, Ocker, Violett und Rosa bestehen, die nebeneinander liegen statt ineinander vermalt zu sein. Tritt man zurück, wird daraus Laub. Tritt man näher, löst es sich in reines Muster auf.

Das war zum Teil von den französischen Pointillisten beeinflusst, besonders Seurat und Signac, deren Arbeiten Klimt in Wien gesehen haben dürfte. Ebenso von Van Gogh, dessen pastoser, expressiver Pinselduktus in Klimts Vokabular aus Punkten und Sprenkeln aufging. Man sieht die Verwandtschaft deutlich bei Klimts Apfelbäumen: dieselbe Hitze und Dichte wie in Van Goghs Obstgärten, nur mit mehr dekorativer Disziplin.

Diese Mosaikqualität verleiht Klimts Naturbildern eine ungewöhnliche Präsenz an der Wand. Sie belohnen Distanz und Nähe zugleich. Aus dem Raum heraus sieht man eine Landschaft. Aus einem Meter entfernt ein abstraktes Muster. Aus dreißig Zentimetern etwas, das wie Stickerei oder eine Stoffprobe wirkt.

Darum, ganz nüchtern, ist die Druckqualität bei Klimt-Landschaften so entscheidend. Billige Reproduktionen bügeln all diese Textur zu einer matschigen Fläche. Sie wollen einen Print, der die Punkte, die Schichtungen und die feinen Verschiebungen der Farbtemperatur hält. Museumstaugliche Giclée-Drucke auf starkem, mattem Papier bewahren diese Oberflächenkomplexität so, wie es glänzende Poster nicht können.

Warum Klimts Landschaften in modernen Einrichtungen gerade boomen

Mehrere Gestaltungstrends laufen hier zusammen – und Klimts Landschaften sitzen genau im Schnittpunkt.

Erstens: Biophilic Design, die inzwischen gut belegte Idee, dass Innenräume besser funktionieren, wenn sie die Natur zitieren. Klimts Landschaften sind Natur, ohne wörtlich zu sein. Es sind keine Waldfotos und keine generischen botanischen Illustrationen. Es sind Wälder, gefiltert durch reine dekorative Intelligenz – dadurch bringen sie die beruhigende Wirkung von Naturbildern, ohne die leichte Austauschbarkeit, die botanische Drucke manchmal haben.

Zweitens: der Abschied vom kalten Minimalismus. Interiors werden wärmer, geschichteter, materiell reicher. Salbeigrün, Terrakotta, Ocker, Rost, tiefes Petrol. Klimts Landschaftspaletten greifen das direkt auf. Seine Apfelbäume sind im Grunde eine perfekte Farb-Referenz für heutige warme Räume.

Drittens: die Lust auf Kunst, die persönlich wirkt statt naheliegend. Der Kuss wurde auf so viele Tassen und Beutel gedruckt, dass er zum Designkürzel für „Ich mag Kunst ganz allgemein“ geworden ist. Eine Klimt-Landschaft signalisiert etwas anderes. Sie sagt: Ich kenne die andere Seite – und finde sie spannender. Es ist eine leisere, zugleich selbstbewusstere Wahl.

Klimts Baumgemälde sind dabei zum Einstieg geworden. Birkenwald, Apfelbaum, Park bei Schloss Kammer. Diese Werke übersetzen sich am leichtesten in heutige Räume, weil sie zugleich als Kunstgeschichte und als moderne Dekoration gelesen werden.

Unsere liebsten Klimt-Landschaftsprints – und wo sie am besten hängen

So setzen Sie sie an der Wand ein.

Birkenwald (1903)

Eine Wand aus hellen, schlanken Birkenstämmen, die aus einem Waldboden aus herabgefallenen orangefarbenen Blättern aufsteigen. Die Komposition besteht fast vollständig aus vertikalen Linien, mit einem horizontalen, warmen Farbband am unteren Rand.

Gehört in ein minimalistisches Schlafzimmer, ideal über ein niedriges Bett mit Leinenbettwäsche in Creme oder Hellgrau. Der vertikale Rhythmus der Stämme gibt dem Raum eine leise architektonische Struktur. Hier ist ein 70 × 70 cm großer Rahmen in schlankem, naturbelassenem Eichenholz die beste Wahl: Das helle Holz spiegelt die Birken, ohne mit ihnen zu konkurrieren.

Apfelbaum I (1912)

Dichte, fast überbordende Blätter in Grüntönen, Gelb und Orange, dazwischen rote Äpfel wie Edelsteine verteilt. Kein Himmel, kein Boden – nur Muster.

Hängen Sie ihn in ein Wohnzimmer, das mehr Farbe und Textur braucht. Besonders gut über einem Samtsofa in Moosgrün oder Burnt Orange. Der Maximalismus des Bildes gibt Ihnen die Lizenz, auch sonst großzügiger zu schichten. Dieser Print gewinnt durch Größe: Eine Leinwand von 100 × 100 cm umhüllt Sie auf eine Weise, die kleine Formate nicht leisten.

Park bei Schloss Kammer (1909)

Ein Blick durch ein Raster aus hohen, dunklen Stämmen auf einen gelben Schlosswand- und Rasen-Ausschnitt. Im Kern ein vertikales Gitter aus Bäumen, durchbrochen von kleinen, hellen Farbfeldern.

Das ist ein Motiv für das Esszimmer. Diese kontemplative Tiefe – der Blick zwischen den Bäumen hindurch auf die Struktur dahinter – belohnt die Art langsamer Aufmerksamkeit, die es beim Essen gibt. Kombinieren Sie mit einer stimmungsvollen Wandfarbe: tiefes Waldgrün oder ein toniger Lehmputz.

Bauernhausgarten mit Sonnenblumen (1907)

Ein Sommerblumenrausch, in dem Sonnenblumen über einem Teppich aus Zinnien, Dahlien und Margeriten aufragen. Das heiterste seiner Landschaften.

Platzieren Sie es dort, wo die Stimmung steigen soll: Küche, kleiner Flur, Arbeitszimmer. Es funktioniert wunderbar in Räumen mit wenig Tageslicht, weil das Bild selbst leuchtet. In Nussbaum oder schwarzem Holz gerahmt wirkt es bewusst kunsthistorisch statt nur dekorativ.

Buchenwald I (1902)

Das Abstrakteste unter ihnen. Hohe Buchenstämme, die in einen nebligen Herbstboden aus Rosa und Gold übergehen – wenig Detail, viel Atmosphäre.

Das ist die Wahl fürs Bad oder Schlafzimmer – speziell für sanftes Licht, wo Sie eher ein Gefühl des Auflösens als der Schärfe wünschen. Leinwand passt hier besonders gut: Das matte Finish verstärkt die Weichheit des Bildes und ist in Räumen mit wechselnder Luftfeuchte zudem unempfindlicher.

Ein stimmungsvolles Esszimmer mit tiefgrünen Wänden, einem in dunklem Holz gerahmten Klimt-Print „Park bei Schloss Kammer“ über einem Holzsideboard, dazu Messingkerzenhalter und eine Vase mit Trockenblumen

Ein Wort zum Mix der Stile

Klimts Landschaften sind erstaunlich anpassungsfähig über Stilgrenzen hinweg. In einem bohemian-inspirierten Raum voller Textilien und Pflanzen fühlen sie sich zuhause, weil die Mustersprache passt. Sie ergänzen skandinavische Interiors, die sich von reinem Weiß zu warmen Erdtönen entwickelt haben. Sie sind ein natürlicher Fit für jede Art von Jugendstil-Revival – dort kommen sie schließlich her. Und sie bringen modernen Maximalismus genau die richtige Portion Dekoration, ohne ins Kitschige zu kippen.

Was weniger funktioniert, ist harter, industrieller Minimalismus. Die Textur und die Farbe brauchen ein Umfeld, das sie aufnehmen kann. Wenn Ihre Wände aus Sichtbeton sind und Ihr Sofa aus Stahl – greifen Sie lieber zu etwas anderem.

Eine boho-inspirierte Leseecke mit einem Klimt-Apfelbaum-Leinwandprint als zentralem Wandelement, umgeben von rankenden Pflanzen, einem Vintage-Rattansessel und Bücherstapeln auf einem niedrigen Beistelltisch

Zum Schluss

Die Freude an Klimt-Landschaftsdrucken liegt darin, dass sie immer Neues preisgeben. Der Teleskop-Schnitt. Das Quadrat. Die Tausenden kleinen Pinselstriche. Wie er Farbe so einsetzt, wie er einst Gold einsetzte. Nichts davon springt beim ersten Blick ins Auge – deshalb bleibt das Bild an Ihrer Wand über Jahre spannend, statt nach einem Monat zur Hintergrunddekoration zu verblassen.

Kaufen Sie das Motiv, von dem Sie den Blick nicht lassen können. Hängen Sie es dorthin, wo Sie wirklich Zeit verbringen. Und dann schauen Sie es richtig an – aus dreißig Zentimetern Entfernung. Dort lebt Klimt.

Ein kleines Esszimmer in einer gemieteten europäischen Wohnung mit kräftig gesättigten ockerfarbenen Wänden und altem honigfarbenem Parkett, leicht abgewetzt an der Türschwelle. In der Mitte steht ein Vintage-Eichentisch – wirklich alt, mit Glasringen, die Platte leicht gewölbt – mit zwei zusammengewürfelten Stühlen, einer mit Rohrgeflecht, einer mit Binsensitz. Auf einem niedrigen Vintage-Sideboard lehnen drei gerahmte Kunstdrucke im Salon-Stil an der Wand: Der größte Druck steht hinten, leicht rechts versetzt; zwei kleinere lehnen davor, überlappend und jeweils in leicht anderem Winkel. Auf dem Tisch eine klare Glasvase mit lockeren Tulpen – einige rot, einige gelb, Stiele, die großzügig über den Rand fallen –, zwei abgefallene Blütenblätter daneben. Auf dem Sideboard steckt eine handgezogene Stabkerze in einer Weinflasche, elfenbeinfarbener Wachs in gefrorenen Rinnsalen am dunklen Glas hinuntergelaufen. Ein einzelnes gelesenes Taschenbuch liegt aufgeklappt, mit gebrochenem Rücken, auf dem Tisch. Morgensonne fällt durch alte Holzrahmenfenster, weich und leicht staubig, fängt die in der Luft tanzenden Partikel über dem Tisch und wärmt das Ocker zu einem tief goldenen Leuchten. Die Kamera ist leicht schräg, als hätte eine Freundin beiläufig fotografiert; natürliche Tiefenschärfe, nicht übertrieben. Die Stimmung: ungekünstelte Schönheit – ein Leben in Farbe, ohne Erlaubnis und ohne Entschuldigung.

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